Metropolen-Fortbildungsreihe 2017

Marseille, Tunis, Hamburg: Eine Immersion in drei unterschiedliche Metropolenkontexte

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Im Jahr 2017 führte das Projekt CoMun zum ersten Mal in Kooperation mit AViTeM und afd die Fortbildungsreihe „Metropolregionen: Entwicklung und Governance“ durch. Diese gemeinsam organisierten Seminare haben einen fruchtbaren Austausch von Methoden und Strategien zwischen verschiedenen Entscheidungsträgern aus dem Mittelmeerraum und Europa ermöglicht. Durch das Eintauchen in drei verschiedene Metropolenkontexte mit gänzlich unterschiedlichen Rahmenbedingungen und strategischen Ausrichtungen konnten die Seminarteilnehmer verschiedenen Herausforderungen und Konzeptionierungen einer Metropolregion aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Drei Schwerpunktthemen zogen sich dabei als roter Faden durch die Seminare:

  • Metropolregionen und Gouvernance
  • Nachhaltige Stadtentwicklung und Anpassung an den Klimawandel
  • Soziale und territoriale Kohäsion

Bei den Seminaren wurde zwischen drei Formen von Projekten unterschieden, die die Entstehung einer Metropolregion vorantreiben bzw. diese ausmachen:

  • Großprojekte (strukturbildende Projekte): Projekte, die durch ihren Symbolcharakter und ihr finanzielles Volumen Impulsgeber urbanen Wandels sind.
  • Systembildende Projekte: Projekte, die eine Region strukturieren und vernetzen und großflächig angelegt sind. Sie bündeln lokale, auf der Mikroebene angesiedelte Ressourcen und Akteure mit der Makroeben und sind im Bereich Mobilität, kommunale Dienste, Stadtentwicklung, Energie, Landschaftspflege etc. zu finden.
  • Modellprojekte für Bürgerbeteiligung: Diese Kategorie umfasst alle jene stadtentwicklerischen Projekte, die den urbanen Wandel auf partizipative, lokaldemokratische Weise gestalten. Die Projekte basieren häufig auf spontanen Initiativen und informellen Netzwerken.

Die Metropolregion Aix-Marseille Provence

Das Gebiet der Metropolregion Aix-Marseille-Provence setzt sich aus 92 Kommunen mit 1,83 Mio. Einwohnern zusammen und besteht als öffentliche Einrichtung interkommunaler Zusammenarbeit („établissement public de coopération intercommunale“ - EPCI) seit dem 1. Januar 2016. Sie ist das Resultat eines von staatlicher Seite angestoßenen und durch einen interministeriellen Ausschusses beaufsichtigten Entwicklungsprozesses der die Gründung der zweiten französischen Metropolregion zum Ziel hatte. Allerdings waren ihrer Gründung zahlreiche soziale, kulturelle und Forschungsinitiativen vorausgegangen, die auf dem Niveau einer Metropolregion organisiert wurden, ohne dass diese schon institutionell bestand hatte.

Die Metropolregion ist mit ist mit der strategischen Planung der Region in Bereichen wie wirtschaftliche Entwicklung, soziale und territoriale Kohäsion, Umwelt, Mobilität etc. beauftragt. Der Rat der Metropolregion setzt sich aus 240 Mitgliedern zusammen, die von den 92 Gemeindeverwaltungen designiert wurden und mit der Umsetzung der Metropolstrategien vor Ort zuständig sind.

Die Metropolregion Aix-Marseille Provence weist einige interessante Projekte auf, die sich zur näheren Betrachtung seitens der Teilnehmer anboten, insbesondere das Stadterneuerungsprojekt „Euroméditerranée“. Kommunalpolitiker, öffentliche und private Dienstleiter, Stadtplaner, Architekten und Vertreter der Zivilgesellschaft erläuterten und diskutierten mit den Seminarteilnehmern ihre Sicht auf die Metropolregion und das, was sie im Innersten zusammenhält.

Die Region Grand Tunis

Die Region Grand Tunis umfasst 2 % des tunesischen Territoriums, beherbergt aber fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung Tunesiens. Die Agglomeration Grand Tunis breitete sich in den letzten Jahrzehnten rasend schnell aus und erstreckt sich heute über das Gebiet von 4 Gouvernements und 34 Kommunen, ohne dabei in klare räumliche Grenzen gesetzt zu sein. Die erste Institution, die mit der Planung des städtischen Raums auf der Ebene des Großraums beauftragt war, war der „District Tunis“, der dem tunesischen Innenministerium unterstelle war und über hinreichende Kompetenzen in Bezug auf kohärente Raumplanung verfügte. Diese erste raumplanende Struktur wurde in den 90er Jahren aufgelöst und durch die „Agence Urbaine du Grand Tunis“ (AUGT) ersetzt, die mangels politischer und technischer Kompetenzen weder die Entwicklung des Großraum Tunis koordinierte noch auf die Herausforderungen der rasenden Verstädterung hinreichend reagieren konnte.

Heute, inmitten des institutionellen und politischen Wandels in Tunesien, wird eine raumplanende Struktur, wie es der „District Tunis“ einst war, erneut zur Debatte gestellt. Welchen Platz sollte eine Institution, die zwischen Zentralstaat und Kommunen vermittelt, einnehmen, um das Territorium von Grand Tunis hinreichend zu verwalten? Und welche Rolle sollte die Zivilgesellschaft dabei spielen?

Die Betrachtung konkreter Projektbeispiele, etwa das Großprojekt der städtebaulichen Erschließung des Sees von Tunis, die Organisation zur Rettung der Medina von Tunis oder die Projekte der Behörde zur städtischen Aufwertung und Sanierung (ARRU) gab Anstoß zum gemeinsamen Gendankenaustausch.

Die Metropolregion Hamburg

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Das dritte Seminar der Fortbildungsreihe 2017 fand in der Metropolregion Hamburg statt. Seit dem Jahr 2007 bestehend, gehört sie zu den bedeutendsten Wirtschaftsräumen Europas, vor allem aufgrund des Hamburger Hafens und der zahlreichen innovativen Industriezweige (Chemie, Luftfahrt, Schiffsbau, Technologiesektor). Die Metropolregion Hamburg zählt 5,3 Millionen Einwohner und breitet sich über das Territorium von vier Bundesländern, 17 Landkreisen und 4 Städten aus. In den Kontext des deutschen Föderalismus mit seiner stark ausgeprägten vertikalen Gewaltenteilung eingebettet, muss der Verwaltung der Metropolregion gelingen, die verschiedensten lokalen und regionalen Akteure zusammenzubringen, um eine gemeinsame Strategie für die wirtschaftliche, soziale, ökologische und kulturelle Zukunft der Region zu entwickeln. Ein thematischer Schwerpunkt des Seminars in Hamburg war das Thema Klimawandel und Stadtentwicklung.

Die Teilnehmer hatten die Gelegenheit, die bedeutendsten Stadtentwicklungs-Projekte der jüngsten Vergangenheit mit einheimischen Fachleuten zu diskutieren, unter anderem das Hamburger Leuchtturmprojekt „HafenCity“, die Internationale Bauausstellung (IBA Hamburg GmbH) oder den Hamburger Verkehrsverein.