Urbanisierung im Maghreb

Seit 2007 lebt der größte Teil der Weltbevölkerung in Städten und auch im Maghreb schreitet die Urbanisierung voran. Die Städte der Region wachsen durchschnittlich um 3 % pro Jahr und dies trotz des allgemein rückläufigen Bevölkerungswachstums. Bereits 2005 lag der Urbanisierungsgrad in Algerien nach Angaben des United Nations Human Settlements Programme (UN-HABITAT) bei 57,1 %, in Marokko bei 55,5 % und bei 62,8 % in Tunesien. Bis zum Jahr 2030 prognostiziert UN-HABITAT einen Anstieg auf 72,5 % für Marokko, 72,6 % für Algerien und 74,4 % für Tunesien.

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Der beschleunigte und irreversible Urbanisierungsprozess weist im Maghreb erste Anzeichen fehlender Nachhaltigkeit auf. Dies zeigt sich in der ungleichen Verteilung der Ballungsgebiete, die sich hauptsächlich in den Küstenregionen konzentrieren, in dem Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen und der Ausdehnung städtischer Siedlungsgebiete. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung der Städte als Katalysator für die Entwicklung der Länder und die Schaffung von Wohlstand zu.

Wie die Städte des Südens sind insbesondere die Ballungsräume des Maghreb stark mit den Herausforderungen der Globalisierung, der wirtschaftlichen Integration, dem Klimawandel, den ökologischen Veränderungen sowie der Armutsbekämpfung konfrontiert. Die Ursache dafür liegt in der Diskrepanz zwischen dem schnellen Bevölkerungswachstum und den anhaltenden institutionellen und finanziellen Schwächen – sowie z. T. dem Mangel an Know-how. Dies hat zur Folge, dass die Städte kaum in der Lage sind, die Anforderungen für ein effizientes Stadtmanagement zu erfüllen. Doch da sie zum Mittelmeerraum gehören und sich damit in räumlicher Nähe des Europäischen Wirtschaftsraums befinden, bieten sich ihnen Chancen, die es zu nutzen gilt.

Zwar weisen die drei Länder des Maghreb auf Grund unterschiedlicher politischer, administrativer und wirtschaftlicher Entscheidungen und Prozesse bei der Organisation und Entwicklung ihrer Städte nach wie vor eine Reihe von Besonderheiten und Unterschieden auf, doch insgesamt sind zahlreiche Ähnlichkeiten zwischen ihnen festzustellen. Dies wird besonders deutlich, wenn man die Erwartungen vergleicht, die die Bevölkerung in Algerien, Tunesien und Marokko an ihre Kommunen stellt. Die Zukunftsvisionen liegt – mit Rücksicht auf die verfügbaren Instrumente und Rollen – in der Stärkung der lokalen Instanzen, der Beteiligung der Bevölkerung an Entscheidungen bei der Entwicklung ihrer Gemeinde, sowie der Realisierung dieser Entwicklung, die zu mehr Wohlstand und Chancen führen soll.

Allerdings gilt es heute als sicher, dass städtischer Reichtum sich nicht nur nach der ökonomischen Leistungsfähigkeit bemisst, sondern auch und vor allem nach den Fähigkeiten und Möglichkeiten, die sie bieten, um untereinander Erfahrungen, Analysen und praktische Anwendungen auszutauschen und Stakeholder-Netzwerke aufzubauen, welche die Attraktivität und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Städte fördern. Zweifellos sagen die Bedeutung von Partnerschaften und die Vernetzung verschiedener Akteure mehr über die Offenheit und Dynamik der Akteure vor Ort aus, als viele ökonomische Indikatoren.

Daten und Fakten zur Stadtentwicklung in Nordafrika erhalten Sie im Bericht zur Urbanisierung und Kommunalentwicklung in der MENA-Region, der nachfolgend als Download zur Verfügung steht.
Ebenso zum Download steht Ihnen die Broschüre der GIZ zur Nachhaltigen Stadtentwicklung zur Verfügung, welche Ansätze und Projekte der GIZ zu Urbanisierung und Stadtentwicklung vorstellt.